Blog | 12. Dezember 2024

Wie lässt sich der Lebensmitteleinzelhandel in Zeiten des Online-Handels erfolgreich gestalten?

Eine optimierte Logistik ist entscheidend für Erfolg und Nachhaltigkeit

Die Bequemlichkeit steht im Einzelhandel seitens der Kunden oft an erster Stelle. Der Online-Handel hat einen bedeutenden Einfluss auf die Einzelhandelslandschaft, auch auf den Lebensmitteleinzelhandel. Das schnelle Wachstum der Online-Vertriebskanäle, von traditionellen E-Commerce-Plattformen bis hin zum Quick Commerce per Lastenrad-Lieferung, zeigt, wie sich das Kaufverhalten in Bezug auf Lebensmittel und andere Produkte des täglichen Bedarfs verändert hat. Diese Entwicklung bietet sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Lebensmitteleinzelhändler, die den digitalen Wandel mitgestalten möchten.

Der Aufstieg des Online-Lebensmitteleinzelhandels

Die Entwicklungen in städtischen Regionen weltweit zeigen, dass der Online-Lebensmittelhandel nicht nur ein vorübergehender Trend ist. In einigen Regionen werden über 20 % der Lebensmittelverkäufe über digitale Kanäle abgewickelt. Der stationäre Handel ist zwar immer noch der profitabelste Vertriebskanal für Lebensmittel, sein Marktanteil schrumpft jedoch.

Innovative Start-ups drängen auf den Lebensmittelmarkt mit verschiedenen reinen Online-Strategien und teils großem Kapital durch externe Investitionen. Die Vorlieben der Lebensmittelkonsumenten ändern sich, da sie sich an bequemere digitale Kanäle gewöhnen, wie zum Beispiel:

  • E-Commerce: Lieferung von Lebensmitteln aus Lagern mit breitem Sortiment direkt nach Hause
  • Quick Commerce: kurzfristige Lieferung von Lebensmitteln aus lokalen Mikro-Hubs mit begrenztem Sortiment direkt nach Hause

Angesichts dieser Trends sollten Einzelhändler wirksame Strategien entwickeln, um kurz- und langfristig ihre Marktanteile und Rentabilität zu sichern. Wie unsere aktuelle Studie “What’s the future of grocery retail?” zeigt, lässt sich dieses Ziel am besten durch die aktive Gewinnung von Marktanteilen auf dem Online-Lebensmittelmarkt und die dynamische Anpassung der Präsenz im stationären Handel erreichen.

Die digitalen Kanäle ermöglichen es Unternehmen zwar, auf die Erwartungen der Kunden einzugehen, erfordern jedoch auch spezialisierte Logistiknetze bestehend aus Lagern, Mikro-Hubs und Lieferfahrzeugen (Vans und/oder Lastenräder). Um die Rentabilität dieser neuen Kanäle zu gewährleisten, sollten Unternehmen gründlich durchdenken, wie sie ihre Effizienz maximieren können. Wenn Lebensmitteleinzelhändler Größenvorteile nutzen und einen gewissen Durchsatz erreichen, können sich digitale Vertriebskanäle sowohl auf die Gewinnspannen als auch auf die CO2-Emissionen positiv auswirken.

Den künftigen Lebensmitteleinzelhandel rentabel gestalten

Eine erfolgreiche Strategie muss die Kosten und den Gewinn für jeden Vertriebskanal in realistischen Zukunftsszenarien berücksichtigen. In der Omnichannel-Logistik erfordert jeder Vertriebskanal unterschiedliche Logistikprozesse und Supply Chains. Dies spiegelt sich in der Höhe der Logistikkosten für Lagerhaltung, Handling und Lieferung wider.

Im stationären Lebensmittelhandel entsprechen die direkten Logistikkosten oft weniger als 1 % der Gesamtkosten. Die Liefer- und Lagerprozesse sind effizient, mit einer optimierten Lieferung von Waren an mehrere Supermärkte mit voll beladenen Lkws, und die manuelle Arbeit in den Lagern ist minimal.

Im E-Commerce belaufen sich die Logistikkosten, laut den Berechnungen unserer Studie, auf 19 % der Gesamtkosten, im Quick Commerce sogar auf 31 %. Für diese Kanäle sind die Lieferkosten höher, da jede Bestellung einzeln kommissioniert und verpackt werden muss, was größtenteils von Hand geschieht. Einige E-Commerce-Pioniere haben die Kommissionierung automatisiert – ein innovatives, aber kapitalintensives Unterfangen mit oft langen Amortisationszeiten. Hinzu kommt, dass der Quick Commerce Kosten für den Betrieb von Dark Stores und die teure Zustellung auf der letzten Meile mit sich bringt.

Um die Logistikkosten für digitale Kanäle zu senken, benötigen Unternehmen eine hohe Auftragsdichte. Diese wird durch ein starkes Wachstum der digitalen Kanäle, das Erreichen eines hohen Marktanteils in einer Region und die Wahl strategischer Standorte für Lagerung und Auslieferung erreicht. Diese Kombination von Anforderungen erklärt, warum viele Einzelhändler, die in digitalen Kanälen aktiv sind, noch nicht profitabel sind. Wie unsere Studie jedoch zeigt, können Unternehmen bei zunehmenden digitalen Kanälen und steigenden Marktanteilen Gewinne erwirtschaften, die den stationären Einzelhandel sogar übertreffen können.

Optimierung des CO2-Fußabdrucks der Logistik im Lebensmitteleinzelhandel

Selbst rein gewinnorientierte Unternehmen sollten aufgrund der Wichtigkeit für ihre Kunden und der drohenden Kosten die CO2-Emissionen berücksichtigen. Der Online-Handel kann unter den richtigen Voraussetzungen zu einem grüneren Einzelhandel beitragen.

Wie unsere Studie zeigt, können die gesamten CO2-Emissionen für digitale Vertriebskanäle geringer sein als für den stationären Handel, insbesondere wenn der Online-Markt weiter wächst und somit die Auslastung von Standorten und Fahrzeugen hoch ist. Dies liegt daran, dass Filialen, die Kunden an Online-Kanäle verlieren, weniger ausgelastet sind, aber dennoch unverzichtbare Ressourcen wie Heizung, Beleuchtung und Personal benötigen. Dadurch steigen für diese Filialen die Emissionen und Kosten pro verkauftem Artikel.

Wenn die Online-Kanäle wachsen, schrumpft ihr CO2-Fußabdruck. Optimierte Lieferwege im E- und Quick Commerce und gut ausgelastete Lagerstandorte führen sowohl zu wirtschaftlicher als auch ökologischer Effizienz. Dadurch werden die Auswirkungen privater Fahrten zu Supermärkten für die gleiche Menge an Waren verringert.

Infolgedessen kann der E-Commerce im Vergleich zum stationären Handel rund ein Drittel der CO2-Emissionen einsparen, wenn der Lebensmittelhandel zu 30 % des Gesamtumsatzes auf digitale Kanäle entfallen würde.

Erfolgreich in die Zukunft des Online-Lebensmitteleinzelhandels

Um im kompetitiven Umfeld des Online-Lebensmitteleinzelhandels erfolgreich zu sein, sollten Einzelhändler die Kundenwünsche bei der Wahl der Kanäle berücksichtigen, aber gleichzeitig die Rentabilität nicht vernachlässigen. Die aktive Teilnahme am Online-Lebensmittelmarkt kann für Einzelhändler entscheidend sein, um in Zukunft profitabel zu bleiben, wenn die digitalen Kanäle ihr stetiges Wachstum beibehalten. Der Aufbau effizienter Liefernetze mit strategisch günstig gelegenen Lagern ist ein weiteres Schlüsselelement, um den sich wandelnden Anforderungen der Konsumenten gerecht zu werden und gleichzeitig profitabel zu bleiben. Derartige Effizienzsteigerungen können zudem den CO2-Fußabdruck des Lebensmitteleinzelhandels reduzieren und somit die Nachhaltigkeits- und die Finanzperspektive in Einklang bringen.

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Dieser Artikel basiert auf der 4flow-Studie „Sustainability, profitability and beyond: How can grocery retailers react to growing online sales channels?“. Die Studie bietet einen exklusiven Einblick in drei Strategien für Lebensmitteleinzelhändler im Hinblick auf die Transformation hin zum Online-Handel.

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Autoren

 

Wendelin Gross

Head of
4flow research

 

 

Eric Breitbarth

Senior Expert
4flow research